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-> 38. SonnenHöck der Rudolf Wolf Gesellschaft (RWG) in Zimmerwald

Workshop zum Pro-Am-Projekt „Sol’Ex“

Am 21. Februar 2026 lud die Fachgruppe Sonnenbeobachtung der Rudolf Wolf Gesellschaft (RWG) zur 38. Auflage des SonnenHöcks in die Sternwarte Zimmerwald ein. Der diesjährige Workshop stand ganz im Zeichen des Pro-Am-Projekts Sol’Ex (Solar Explorer), das die Teilnehmenden von der Theorie über den technischen Aufbau bis hin zur Datenreduktion umfassend einführte.

Trotz regnerischem Wetter versammelten sich bereits um 9:00 Uhr eine Rekordzahl von 16 Interessierte bei der Kirche Zimmerwald. Nach einem kurzen Shuttle-Transfer zur Sternwarte konnten sich alle bei Kaffee und Gipfeli aufwärmen. Doch pünktlich um 9:30 Uhr bat uns unser Gastgeber und Leiter des Workshops, Dr. Thomas K. Friedli, Platz zu nehmen – dies, mit Blick auf ein dichtes Tagesprogramm.

Um was geht es bei Sol’Ex?

Es handelt sich dabei um ein synoptisches Beobachtungsprogramm, das über Jahrzehnte hinweg den Gesamtzustand und die Aktivität der Sonne dokumentieren soll – dies, mithilfe eines leistungsstarken Spektroheliografen, dem Sol’Ex. Dank moderner 3D-Drucktechnik ist das Gerät mittlerweile für Amateure erschwinglich und relativ einfach zu bedienen.

Hier einige Eindrücke zum „morgendlichen Treiben“ und dem Spektrografen:

Im ersten Teil ging Thomas auf die Geschichte des Sonnenturms und des Sol’Ex Programms ein, um in einem zweiten Teil die theoretischen Grundlagen aufzuarbeiten. Alle relevanten Informationen und Links sind im angehängten PDF, am Ende dieses Beitrags, zusammengefasst.

Noch vor dem Mittagessen ging es dann aber „ans Eingemachte“ – wir schauten uns die diversen Hardwarekomponenten im Detail an. Alle Teile waren vor Ort und konnten von den Teilnehmenden begutachtet werden. Auch hatte Stefan Meister, der seit kurzem stolzer Besitzer einer Einheit ist, sein Gerät aufgebaut. Das half sehr, sich eine Vorstellung vom Aufbau und der Funktionsweise des Spektroheliografen zu machen.

Die Liste der benötigten Teile ist zwar relativ lang, doch gut dokumentiert und kann über zwei, drei Hersteller bezogen werden – Kostenpunkt, je nach Ausbau, ca. CHF 500 – 800 (natürlich ohne das Teleskop und die Montierung 😉 ). Da das Sol’Ex auch auf dem Sonnenturm installiert ist, kann man sich jedoch auch über einen Remotezugang am Programm beteiligen. Details dazu kann man bei Patricia Otero – oder natürlich bei Thomas K. Friedli einholen.

Nach der Mittagspause ging es um die Bildakquisition. Das mag nun zwar etwas verwirren, da wir die ganze Zeit von einem Spektrografen gesprochen haben, doch es ist tatsächlich so, dass wir damit ein Bild der Sonne in einem definierten Spektralbereich erstellen, kein Spektrum. Dies erfolgt kurz gesagt, indem wir das Teleskop mit dem Spektrografen auf die Sonne ausrichten und mittels 16-facher siderischer Geschwindigkeit in Rektaszension über die Sonne fahren. Dabei wird die Sonne in hoher zeitlicher Auflösung im eingestellten Spekralbereich gescannt und der Datenstrom als Video abgespeichert.

Diese Video-Daten im SER-Format werden dann in einem letzten Schritt mit Hilfe einer speziellen Software (INTI) verarbeitet und können so im Rahmen des BASS2000 Pro-Am Projekts an das Observatoire de Meudon übermittelt werden.

Hier einige Beispiele von Beobachtungen, die seit vergangenem Sommer von der Fachgruppenmitgliedern übermittelt wurden – und Vergleichsbilder vom 5. Februar in anderen Spektralbereichen:

Zum Schluss wurden noch weitere Auswertungsmöglichkeiten der gesammelten Daten aufgezeigt. So hat zum Beispiel Daniel Radovanovic ein Python Programm zur Berechnung der Protuberanzenprofilfläche erstellt. Vision ist es, daraus in Zukunft ein INTI Partner Modul zu machen.

An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an den Organisator und Leiter dieses Workshops, Thomas K. Friedli. Ein Dank geht aber auch an Stefan Meister, für die Bereitstellung der Hardware und die weiteren Referentinnen und Referenten – es war ein sehr spannender und lehrreicher Samstag!

Und hier noch, wie versprochen, die vollständigen Unterlagen zum Workshop:

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Marc Eichenberger

Präsident

Seit Kindesbeinen bin ich begeisterter Amateurastronom und war mehr als 30 Jahre im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft Luzern tätig, die letzten neun Jahre als deren Präsident. Als stolzer Besitzer von drei Teleskopen sowie einem Astro-Feldstecher verbringe ich die klaren Nächte am liebsten mit Freunden und Gleichgesinnten als visueller Beobachter. Wenn es die Zeit erlaubt versuche ich als Mitglied der AAVSO auch einen kleinen, wissenschaftlichen Beitrag zu leisten. Als Präsident der SAG-SAS ist es unter anderem mein Ziel die Astronomie allen Interessierten auf verständliche Art zugänglich zu machen.

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