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Das Observatorium in Jaipur / Indien

5. Oktober 2018 / 19:30 - 21:00
kostenlos

Dr. phil. Peter Hassler, Ethnologe

Abstract

Die Grossmoguln schufen das drittgrösste und mächtigste islamische Reich von 1526 – 1857 mit dem Kernland Indien. Die Kultur der Moguln führte im Abendland zur Vorstellung von Indien als einer Art Märchenland von unermesslichem Prunk und Reichtum. Zu den indo-islamischen Prunkbauten gehören nebst zahlreichen Palästen, Mausoleen, Moscheen und Festungen auch das Jantar Mantar in Jaipur, das Observatorium des Mogul-Maharaja Jai Singh II (1686 – 1743). Es ist eines der letzten astronomischen Grossbauwerke der vorteleskopischen Zeit und gehört heute zum Weltkulturerbe unter dem Schutz der UNESCO.

Neben dem Observatorium in Jaipur liess Jai Singh vier weitere errichten in Delhi, Varanasi (Benares), Ujjain und Mathura. Als Berater standen Jai Singh auch gelehrte und in Astronomie geschulte Jesuiten zur Seite: die beiden bayrischen Patres Andreas Strobel und Antonius Gabelsperger. Obschon in Europa mit der kopernikanischen Wende und der Erfindung des Fernrohrs ein neues Zeitalter begonnen hatte, orientierten sie sich aus weltanschaulichen Gründen an Tycho Brahe: Das geo-heliozentrische Weltbild Tycho Brahes war den Jesuiten weniger suspekt, zudem arbeitete er mit Grossinstrumenten, insbesondere Mauerquadranten.
Jai Singh war mit den zu seiner Zeit verwendeten astronomischen Messinstrumenten unzufrieden , da ihm diese zu klein und damit zu ungenau waren. In Anlehnung an Ulugh Beg sowie bestärkt durch Jesuiten nahm er den Bau ortsfester Gross-Instrumente in Angriff, Fernrohre kamen nicht zur Anwendung. Darunter befinden sich Instrumente mit einem bis zu 100-fach grösseren Massstab als die üblichen. In Jaipur baute der Maharaja 16 Instrumente (Yantras)

Die enge Verbindung zwischen der Astronomie und der Astrologie bestand auch in Europa bis etwa ins 18. Jh. Mit „Yantra“ wird nicht nur ein (astronomisches) Instrument bezeichnet, sondern dieses bedeutet auch ein „Kosmogramm“, das im Kult und insbesondere beim Bau von sakralen Gebäuden zur Anwendung kommt.
Jai Singh konnte von seinem Palast in Jaipur aus das Jantar Mantar mit seinen Yantras überblicken, die ihm nicht nur zur Vemessung der Gestirne dienten, sondern ihn auch mit dem Kosmos verbanden. Die astronomischen Grossinstrumente von Jai Singh – insbsondere in Jaipur – sind der Nachwelt als einzigartige astronomische Zeugnisse in Gestalt von begehbarer Architektur erhalten geblieben.

Details

Datum:
5. Oktober 2018
Zeit:
19:30 - 21:00
Eintritt:
kostenlos
Veranstaltung-Tags:
Website:
http://www.aguz.ch

Veranstalter

AGUZ Astronomische Gesellschaft Urania Zürich
E-Mail:
aguz@gmx.ch
Website:
http://www.aguz.ch

Veranstaltungsort

Universität Zürich, Hauptgebäude
Rämistrasse 71
Zürich, 8006 Schweiz
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