Autor: Markus Furger, Fotos: Markus Furger und Marc Eichenberger
Astronomiegeschichte befasst sich ja grundlegend auch mit der Zeit, d.h. mit der zeitlichen Entwicklung der Astronomie. Wer von der Fachgruppe Astronomie-Geschichte (FGAG) Zeit und Lust hatte, war am Samstag, 5. September 2026 eingeladen, an einer Führung zumThema «Einstein und die Zeit» in Bern teilzunehmen. Das Angebot von Bern Welcome umfasste eine Besichtigung des Zeitglockenturms («Zytglogge») aussen und innen, sowie ein Besuch des Einsteinhauses an der Kramgasse 49, wo Albert Einstein von 1903-1905 gewohnt hat. Insgesamt 8 Personen machten von diesem Angebot Gebrauch. Das Wetter spielte mit.






Wir trafen uns eine Viertelstunde vor dem 14-Uhr Stundenschlag auf der Ostseite des Turms, um die astronomische Uhr in Ruhe zu betrachten und ihre Anzeigen zu verstehen. Erste Fragen tauchten auf, etwa in Bezug auf die dargestellten Figuren, oder zu den verschiedenen Kreisen auf dem Zifferblatt. Als dann pünktlich um 14.15 Uhr die Stadtführerin eintraf und wir in den Turm hineingingen, waren diese Fragen schnell beantwortet. An einem Modell der Uhr konnten die verschiedenen Anzeigen und ihre Funktionsweise mit konkreten Beispielen gezeigt werden. Dann konnten wir den einmaligen Ausblick über die Altstadt vom Turm aus geniessen. Zur vollen Stunde um 15 Uhr konnten wir das Uhrwerk und die Figurenspiele in voller Aktion sehen, vom Hahnenschrei über den Bärenumlauf bis zum Drehen der Sanduhr in der Hand von Chronos, der Personifizierung der linear ablaufenden Zeit. Es ist beeindruckend, dass das Uhrwerk aus der Zeit um 1530 stammt, also bald 500 Jahre alt ist. Es wird täglich von Hand aufgezogen und durch halbjährliche Revisionen in Schuss gehalten. Diese Astrolabiumsuhr stellt noch das ptolemäische Weltbild mit der Erde im Zentrum dar, in welchem die Zeit streng linear abläuft.






Die Zeit im Turm verflog schnell, und wir machten uns auf den Weg zum Einsteinhaus, wo unsere Führung in einem anderen Rahmen fortgesetzt wurde. Wir erfuhren Details aus Einsteins Leben in Bern, wo er mit seiner damaligen Frau Mileva Maric gelebt hat. Ein Video stellte die wichtigsten Ereignisse und Personen in Einsteins Leben dar. Dann konnten wir die Wohnung mit den verschiedenen Zimmern besichtigen, ein emotionaler Moment für jeden von uns. In dieser Wohnung lebte Einstein während seines Annus mirabilis (1905), wo er vier bahnbrechende Publikationen zu drei verschiedenen Themen veröffentlichte, darunter die Spezielle Relativitätstheorie. Die biografischen Details zeigen auch klar auf, dass Einstein überzeugter Pazifist war, und wie diese Haltung sein Leben geprägt hat.
Zum Ausklang trafen sich jene von uns, die immer noch Zeit und Lust hatten, im Café im Erdgeschoss des Einsteinhauses zu Einsteinbier und Einsteinerli (eigentlich Wienerli). Ob diese Namensgebung im Sinne Einsteins gewesen wäre, lassen wir offen. Die Exkursion war auf jeden Fall ein grosser Erfolg, auch dank der kompetenten Führerinnen, und ein bleibendes Erlebnis für uns alle.

