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-> News aus Astronomie und Raumfahrt vom 17.5.2024

Astronomie

Beobachtungstipps im Mai

Im Westen wenig Neues

In der zweiten Maihälfte stehen alle Planeten westlich der Sonne. Das ist ungünstig: Die flach stehende Ekliptik am Morgenhimmel sorgt dafür, dass sich fast keiner von ihnen aus der Morgendämmerung befreien kann. Nur Saturn lässt ahnen, dass auch diese Planetenflaute einmal zu Ende geht.

Thema des Monats: Der Virgo- und der Coma-Galaxienhaufen

17. Mai: HEUTE AM HIMMEL

Kennen Sie die täglich publizierte Seite Heute am Himmel? Sie bietet tagesgenaue Informationen zu Astronomie und Raumfahrt, beginnend mit den Daten zum Mond und den Dämmerungszeiten. Anschliessend gibt sie in der Rubrik Tagesereignisse kurz und bündig einen kompakten Überblick zum Tagesgeschehen. Danach folgt eine tabellarische Auflistung der Astronomischen Ereignisse, gefolgt von den Planeten am Abend- und am Morgenhimmel. Zum Schluss werden die Überflugdetails zur Internationalen Raumstation (ISS) und hellen Satelliten, sowie die wichtigsten Links zur Sonnenbeobachtung gelistet.

Insgesamt also eine wichtige, astronomische Ressource, ohne die (fast) kein Amateurastronom auskommt!

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Polarlichtspektakel über der Schweiz! (aktualisiert am 15.5.2024)

Oder: Wie ein “Galaxy-Dive” zu einem “Polarlicht-Bad” wurde 😉

Es war ein Spektal mit Ansage – bereits Tage zuvor hatte die Sonne mit mehreren, sogenannten Coronal Mass Ejections (CMEs) oder, zu gut Deutsch, Koronalen Massenauwüfen unter den Profis und Amateuren für Aufregung gesorgt. Bereits am 9. und dann den ganzen Tag am 10. Mai wurde heftig diskutiert und vorbereitet – die Vorfreude war gross!

Bild: © Marc Eichenberger

G5-SONNENSTURM NUR AM 10. / 11. MAI 2024: WELCH SPEKTAKULÄRE POLARLICHT-SHOW!

Einen derart starken Sonnensturm, wie wir ihn in der Nacht vom 10. auf den 11. Mai 2024 erleben durften, gab es letztmals 2003. Während der gesamten Nacht bot sich dieses Schauspiel über dem Nordhorizont. An sehr dunklen Orten – wie hier im Bregenzerwald – konnte man die Streifen und auch Färbungen sehr deutlich von blossem Augen sehen, auch Bewegungen! In der Nacht auf Sonntag flaute der über Amerika andauernde G5-Sturm doch schneller ab. Vereinzelt konnte man tief im Norden noch Polarlichter sehen.

Bild: © Thomas Baer, Redaktion ORION

Auf die Polarlichter könnten noch schwerere Sonnenstürme folgen

Hinter den hübschen Polarlichtern von Mitte Mai stecken gigantische Sonnenstürme. In den nächsten Monaten werden sie noch häufiger vorkommen. Experten bereiten sich auf das Aktivitätsmaximum der Sonne vor.

–> Polarlichter waren Mitte Mai sogar in hiesigen Breiten zu sehen, hier aufgenommen am 11. Mai 2024 über Norddeutschland.

© JAN / STOCK.ADOBE.COM (AUSSCHNITT)

Exowelten: Ein erdgroßer Planet bei einem winzigen Stern

SPECULOOS-3b ist der Name einer erdgroßen Welt, die in geringem Abstand einen sehr massearmen Roten Zwerg umrundet. Allerdings ist es auf ihr viel zu heiß, um Leben wie auf der Erde zu ermöglichen.

<– SPECULOOS-3b ist der Name einer erdgroßen Welt, die in geringem Abstand einen sehr massearmen Roten Zwerg umrundet.

© NASA/ESA/STSCI/G. BACON / FLARING RED DWARF STAR (AUSSCHNITT)

Neuer Prozess könnte Entstehung seltener Elemente erklären

Forschende haben einen neuen Prozess für die Nukleosynthese vorgeschlagen, den sogenannten νr-Prozess. Er könnte die Lösung für ein seit langem bestehendes Problem im Zusammenhang mit der Produktion einer Gruppe seltener Isotope darstellen: Die sogenannten p-Kerne kommen im Sonnensystem vor, ihr Ursprung ist aber immer noch schlecht verstanden

–> Im Inneren des Supernova-Überrestes N 49 befindet sich ein Magnetar.

Foto: NASA und The Hubble Heritage Team (STScI / AURA); Acknowledgment: Y.-H. Chu (UIUC), S. Kulkarni (Caltech) und R. Rothschild (UCSD)

APod: Astronomy Picture of the Day

Hier das tagesaktuelle Bild von der Seite “Astronomy Picture of the Day” (APOD) – ein wunderbares Bildarchiv zur Astronomie, das viele Jahre zurück reicht.

<– Aurora Banks Peninsula

JWST: Die entfernteste Verschmelzung zweier supermassereicher Schwarzer Löcher

Mithilfe des Weltraumteleskops James Webb hat ein Forschungsteam Hinweise auf die Verschmelzung zweier Galaxien und ihrer supermassereichen Schwarzen Löcher nur 740 Millionen Jahre nach dem Urknall gefunden. Eine solche Verschmelzung war in dieser Entfernung und so früh in der Geschichte des Universums bislang noch nicht beobachtet worden.

–> ZS7, ein System aus zwei verschmelzenden Galaxien, das wir nur 740 Millionen Jahre nach dem Urknall sehen.

Bild: ESA / Webb, NASA, CSA, J. Dunlop, D. Magee, P. G. Pérez-González, H. Übler, R. Maiolino, et. al

Enceladus: Bedingungen auf dem Saturnmond im Labor nachgestellt

Vor einigen Jahren wurden in Eispartikeln des Saturnmonds Enceladus sehr große organische Moleküle entdeckt. Noch ist unklar, ob sie auf die Existenz von Leben hindeuten oder auf andere Weise entstanden sind. Laborexperimente zeigten nun, dass lebensfreundliche Bedingungen in extraterrestrischen Ozeanen nachweisbare Spuren in Eiskörnern hinterlassen können.

<– Künstlerische Darstellung des Saturnmonds Enceladus und seiner Eisfontänen, die sich aus einem Ozean unter der Oberfläche speisen.

Bild: NASA / JPL-​Caltech

Tag der Offenen Tür bei GEO600

Am Samstag, den 31. August 2024, laden das Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut) und das Institut für Gravitationsphysik der Leibniz Universität Hannover zum Besuch beim deutsch-britischen Gravitationswellen-Detektor GEO600 nahe Sarstedt. Zwischen 12 und 16 Uhr können sich alle Interessierten mit Forschenden auf dem Detektorgelände über den aktuellen Stand der Gravitationswellen-Astronomie und die entscheidenden Beiträge von GEO600 als Ideenschmiede der internationalen Forschung unterhalten und den Detektor besichtigen.

–> Besichtigung des Zentralgebäudes von GEO600 beim Tag der Offenen Tür.

B. Knispel/Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik

PLANET CANDIDATE COULD BE INCANDESCENT WITH LAVA FLOWS

A new planet candidate discovered in data from NASA’s TESS mission could be an extreme lavaworld, pushed and pulled by the gravity of its own star and two other close-in planets.

<– Artist’s illustration of a lavaworld

ESO / L. Calçada

NASA’s Juno probe captures fascinating high-resolution images of Jupiter’s icy moon Europa

The Jovian moon, famous for its underground global ocean, may be more active than we realized.

When NASA’s Juno spacecraft performed its closest approach to Jupiter’s moon Europa in September 2022, it captured evidence not only for pockets of briny water connected to the world’s deep subsurface ocean, but also for potential scars formed by towering plumes of water vapor — and it caught that evidence on camera.

–> Europa, imaged by Juno as the spacecraft flew past the moon on September 29, 2022.

Image credit: NASA/JPL-Caltech/SwRI/MSSS. Image processing: Björn Jónsson (CC BY 3.0)

Raumfahrt

Salsat: Frequenznutzung von Satelliten im Visier

In Berlin wurde jetzt die erste Open-Access-Weltkarte der Funkfrequenzen aus dem Erdorbit vorgestellt. Sie basiert auf den Daten der Kleinsatellitenmission SALSAT, die seit 2020 um die Erde kreist. Die Initiative bietet eine umfassende Analyse der Frequenznutzung im All und soll Lösungen für zunehmende Störungen in der Satellitenkommunikation bereitstellen.

<– Screenshot der neu veröffentlichten Open-Source-Heatmap in der 3D-Globus Ansicht.

Bild: TU Berlin

VIBES: Bremer Studierendensatellit soll von Schottland aus starten

Von einem neuen Raketenstartplatz in Schottland aus soll Ende des Jahres ein von Bremer Studierenden entwickelter und gebauter Satellit ins All starten. In der Hansestadt laufen dafür gerade die Vorbereitungen. In dieser Woche sind die Studierenden aber nach Belgien gereist, wo ihr Satellit VIBES Pioneer eine spezielle Testkampagne bei der ESA absolviert.

–> Das Bild zeigt eine Animation des selbstgebauten Satelliten der HSB-Studierenden im Weltall.

Bild: NASA / ESA / HSB

NASA’s Mars sample return mission is in trouble. Could a single SLS megarocket be the answer?

NASA could get Mars samples back to Earth with a single launch of the Space Launch System rocket, Boeing says.

<– NASA’s Perseverance Mars rover took this selfie looking down at one of 10 sample tubes deposited at the sample depot it created in an area nicknamed Three Forks. This image was taken by the WATSON camera on the rover’s robotic arm on Jan. 20, 2023, the 684th Martian day, or sol, of the mission.

Image credit: NASA/JPL-Caltech/MSSS

Aus den Sektionen und Fachgruppen

Die Astro-Szene Schweiz und international im Mai 2024

Dieser monatlich erscheinende Newsletter der SAG-SAS umfasst neben einem Rückblick auf die vergangenen Highlights aus dem Umfeld der Sektionen und Fachgruppen der SAG-SAS einen Ausblick auf die spannendsten Termine zu astronomischen und raumfahrttechnischen Ereignissen im Folgemonat.

23. Mai: Zoom-Meeting der Fachgruppe Astrofotografie

Die Mitglieder der Fachgruppe Astrofotografie treffen sich ungefähr alle zwei Monate in einer Videokonferenz. Wir verwenden dazu die Applikation “Zoom”. Zur Teilnahme am Meeting werden Zugangsdaten benötigt. Bitte kontaktiere dafür mind. 5 Tage vorher: 

Die Termine liegen zeitlich absichtlich um die Vollmond-Phase, damit die Fotografen die mondlosen Nächte für das Fotografieren nutzen können.

Weitere Infos finden Sie unter www.astrofoto.ch/agenda.html

3. Juni: Wie wir unser Universum vermessen

Vortrag von Veronika Oehl (ETH Zürich)

Unser Universum ist ungefähr 14 Milliarden Jahre alt und besteht zum grössten Teil aus Komponenten, über die wir erstaunlich wenig wissen. Dennoch können wir sehr gut nachvollziehen, wie die unbekannte dunkle Materie verteilt ist und wie sich unser Universum im grossen Ganzen entwickelt hat.
Wie zieht die Kosmologie aus dem kleinen Ausschnitt, den wir beobachten können, Rückschlüsse auf das ganze Universum? Wie wurden die Grenzen des Verstehbaren über die letzten 100 Jahre in die Ferne geschoben und wo gibt es Grenzen? Das Licht, das mithilfe von neusten Teleskopen eingefangen wird, verschafft uns Zugang zum weit in der Vergangenheit Geschehenen und hilft, unser Bild vom Universum zu verfeinern. Der Frage, wie das gelingt, wollen wir in diesem Vortrag nachgehen.

Bild: NASA/WMAP Science Team und Veronika Oehl (ETHZ)

8. Juni: Exoplaneten

Referentin: Prof. Dr. Monika Lendl, Uni Genf

1995 geben Michel Mayor und Didier Queloz gemeinsam bekannt, 51 Pegasi b (Dimidium) entdeckt zu haben, den ersten Planeten außerhalb unseres Sonnensystems; eine außergewöhnliche Entdeckung, für die sie fast 25 Jahre später den Nobelpreis für Physik 2019 erhalten haben.

Die Entdeckung von Planeten, die anderen Sterne (Exoplaneten) umkreisen, war einer der größten Durchbrüche in der Astronomie der letzten Jahrzehnte. Die Hauptinteressen auf diesem Gebiet liegen zweifellos in der Charakterisierung von Planeten mit fester Oberfläche, um die physikalischen und atmosphärischen Bedingungen auf der Planetenoberfläche einzuschränken und nach möglichen Spuren von Leben in ihren Atmosphären zu suchen.

Von den Schweizer Hochschulen

EPFL: La première plus grande carte 3D de l’Univers dévoilée

Les premiers résultats du projet Dark Energy Spectroscopic Instrument (DESI), auquel l’EPFL a beaucoup contribué, ont permis de cartographier les galaxies et les quasars avec un niveau de détail sans précédent, et de mesurer la vitesse d’expansion de l’Univers sur 11 milliards d’années.

And here’s the English version of the article.

UNI BERN: Hinweise auf eine mögliche Atmosphäre um einen felsigen Exoplaneten

Forschende haben mit dem NASA/ESA/CSA James-Webb-Weltraumteleskop möglicherweise eine Atmosphäre um 55 Cancri e, einen felsigen Exoplaneten 41 Lichtjahre von der Erde entfernt, entdeckt. Dies ist der bisher beste Beweis für eine Atmosphäre bei einem Gesteinsplaneten ausserhalb unseres Sonnensystems. Brice Olivier Demory, Professor für Astrophysik an der Universität Bern und Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts NFS PlanetS, war Teil des internationalen Forschungsteams, dessen Studie soeben in Nature publiziert wurde.

–> Diese künsterlische Darstellung zeigt, wie der Exoplanet 55 Cancri e aussehen könnte. 55 Cancri e, auch Janssen genannt, ist eine so genannte Supererde, ein Gesteinsplanet, der deutlich grösser als die Erde, aber kleiner als Neptun ist.

Credits: NASA, ESA, CSA, Ralf Crawford (STScI)

ETH: Ein hüpfender Roboter für die Asteroiden-Erkundung

Im Projekt SpaceHopper entwickeln Studierende der ETH Zürich einen Roboter, der sich mithilfe von Hüpfbewegungen auch an Orten mit sehr geringer Schwerkraft fortbewegen kann.

<– Der Prototyp des SpaceHopper, den ETH-​Studierende entwickelt haben. 

Bild: Dominik Lindegger

Marc Eichenberger

Präsident

Seit Kindesbeinen bin ich begeisterter Amateurastronom und war mehr als 30 Jahre im Vorstand der Astronomischen Gesellschaft Luzern tätig, die letzten neun Jahre als deren Präsident. Als stolzer Besitzer von drei Teleskopen sowie einem Astro-Feldstecher verbringe ich die klaren Nächte am liebsten mit Freunden und Gleichgesinnten als visueller Beobachter. Wenn es die Zeit erlaubt versuche ich als Mitglied der AAVSO auch einen kleinen, wissenschaftlichen Beitrag zu leisten. Als Präsident der SAG-SAS ist es unter anderem mein Ziel die Astronomie allen Interessierten auf verständliche Art zugänglich zu machen.