Dem Januar-Vollmond geht das Licht aus

Knappe sechs Monate nach der jahrhundertlängsten Mondfinsternis dürfen sich Astronomiefans gleich nochmals freuen: In den frühen Morgenstunden des 21. Januars verschwindet der erdnahe Vollmond für eine gute Stunde gänzlich im Schatten unseres Planeten. 

Noch gut ist uns die totale Mondfinsternis vom 27. Juli vergangenen Jahres in Erinnerung, welche bei besten Bedingungen bequem am Abendhimmel verfolgt werden konnte. Mit einer Totalitätsdauer von 103 Minuten war sie die längste Finsternis ihrer Art des gesamten 21. Jahrhunderts. Nun, ein knappes halbes Jahr später, verfinstert sich der Vollmond erneut. In den Morgenstunden des 21. Januars durchläuft der Erdtrabant den nördlichen Bereich des Kernschattens und wird zwischen 05:41 Uhr MEZ und 06:44 Uhr MEZ total verfinstert. Interessant wird es allerdings schon ab 04:34 Uhr MEZ, wenn sich die Mondscheibe partiell zu verdunkeln beginnt. Der Erdschatten schiebt sich ganz allmählich von links kommend vor das Nachtgestirn.

Rötung hat nichts mit «Blut» zu tun

Je schmaler die verbliebene «Vollmond-Sichel» schwindet, desto deutlicher wird die leichte rostbraune Färbung der verfinsterten Partie sichtbar. Besonders reizvoll ist der Anblick während der gut einstündigen totalen Phase. Wider erwarten ist der Vollmond dann trotz Finsternis nicht gänzlich dunkel, sondern wird von den langwelligen geröteten Sonnenstrahlen, welche die Erdatmosphäre passieren und in den Schattenkegel abgelenkt werden, schwach erhellt. Der Vollmond leuchtet also in den Farben der irdischen Morgen- und Abenddämmerung. «Mit Blut hat diese Färbung rein gar nichts zu tun», erklärt Thomas Baer von der Schweizerischen Astronomischen Gesellschaft SAG, «viel mehr stammt der Begriff ‚Blutmond’ aus der esoterischen Ecke, von der sich die Astronomen klar distanzieren.»

Viele Sterne wie in einer Neumondnacht

Wenn das Mondlicht um einen Faktor 10’000 reduziert ist, lohnt sich auch ein Blick an den Sternenhimmel. Konnte man eine Stunde vor der Totalität lediglich die hellsten Fixsterne sehen, wähnt man sich jetzt auf einmal in einer Neumondnacht. Mit etwas Glück kann man sogar das lichtschwache Band der Milchstrasse erkennen. Überhaupt lohnt es sich, wer schon so früh aus den Federn mag, das kosmische Schattenspiel an einem dunklen Ort mit wenig Fremdlicht zu beobachten. Ein Feldstecher oder ein Teleskop bieten dabei noch detailliertere Blicke auf das Ereignis. Ab 06:44 Uhr MEZ beginnt sich der Mond von oben her wieder aufzuhellen. Jetzt macht sich im Südosten bereits die Morgendämmerung bemerkbar. Die zweite partielle Phase dauert bis gegen 07:51 Uhr MEZ. «Hoffen wir also auf Wetterglück! Sollte über dem Schweizer Mittelland Nebel liegen, lohnt sich eine Fahrt in die Höhe allemal, denn die nächste totale Mondfinsternis in der Schweiz gibt es erst wieder am 16. Mai 2022 bei Monduntergang zu bestaunen».